Beitragsseiten

 

 

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen entwickelten sich im vergangenen Jahrzehnt mit außerordentlicher Dynamik. Von 2000 bis 2011 verfünffachte sich der Handel Deutschlands mit China von 28 Mrd. auf 144 Mrd. Euro. Im Gefolge der globalen Finanzkrise wuchs Chinas Bedeutung für den deutschen Außenhandel in großen Sprüngen. China rückte in der Liste der wichtigsten Exportpartner Deutschlands vom elften Rang im Jahr 2007 auf den fünften Rang Ende 2011 vor. Rund 6% aller deutschen Exporte gingen 2011 nach China.

 

In den letzten vier Jahren gewann China als Absatzmarkt für den deutschen Maschinenbau wie auch für die Automobil- und Chemie-Industrie sprunghaft an Bedeutung. In einer Periode, in der andere Exportmärkte einbrachen oder schwächelten, verdoppelten sich die Maschinenbau-Exporte nach China, das zum wichtigsten Absatzmarkt noch vor den USA und Frankreich aufstieg. Auch die deutschen Automobilbauer gerieten immer stärker in den Sog des chinesischen Marktes: Während 2007 Kraftfahrzeuge im Wert von 4,9 Mrd. Euro in China verkauft worden waren, schnellte dieser Wert bis 2010 auf 13,8 Mrd. Euro hoch. Für den Volkswagen-Konzern ist China zum wichtigsten Markt geworden, mit Zuwächsen von mehr als 17 Prozent allein im Jahr 2011. BMW erzielte 2011 gar Umsatzsteigerungen von 38 Prozent in China.

 

In der Chemieindustrie erwirtschaftet Bayer rund 8% des Konzernumsatzes in China. BASF und Bayer wie auch die großen deutschen Automobilkonzerne investieren Milliardenbeiträge in neue Standorte sowie Forschungs- und Entwicklungszentren. Mehr als 1200 deutsche Unternehmen unterhalten Produktionsstätten in China und beschäftigten rund 400.000 chinesische Mitarbeiter.

 

Stolpersteine

Zur schnellen wirtschaftlichen Erholung in Deutschland 2009-2011 trug die chinesische Nachfrage maßgeblich bei. Sie gab zugleich aber Anlass für sorgenvolle Debatten über eine riskante Exportabhängigkeit gegenüber China – mit gravierenden Rückschlagpotenzialen im Falle von wirtschaftlichen oder politischen Störungen innerhalb Chinas oder in den bilateralen Beziehungen. Nach langen Jahren reibungsarmer handelspolitischer Beziehungen nahmen die Klagen deutscher Unternehmen über unfaire Wettbewerbspraktiken in China jüngst deutlich zu. Die Vorstandsvorsitzenden von Siemens und BASF kritisierten öffentlich eine Verschlechterung der Investitions- und Geschäftsbedingungen für ausländische Unternehmen in China durch vielfältige Marktzugangsbeschränkungen, erzwungenen Transfer technologischen Knowhows oder eine unzureichend bekämpfte Technologie- und Markenpiraterie.

  

Chinesische Konkurrenten

Eine neue Entwicklung zeigt sich darin, dass chinesische Unternehmen – in China selbst wie auch weltweit – immer häufiger als Konkurrenten deutscher Firmen auch in technologisch höherwertigen Wirtschaftszweigen auftreten. Im Eisenbahn-, Infrastruktur- und Baumaschinengeschäft etwa sind chinesische Anbieter zu erfolgreichen Konkurrenten insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern geworden. Und in der Photovoltaik-Industrie stiegen chinesische Produzenten – dank großzügiger Finanzierung seitens chinesischer Staatsbanken – binnen weniger Jahre zu Weltmarktführern auf. Chinesische Unternehmen dringen als Investoren auch in Deutschland vor. Der globale Betonpumpen-Technologieführer Putzmeister wurde kürzlich von dem aufstrebenden chinesischen Sany-Baumaschinenkonzern übernommen.

 

Die Bedingungen für deutsche Unternehmen in China verändern sich gegenwärtig rasch. Lohn- und Produktionskosten sind seit 2009 um 20-30% gestiegen. Da gleichzeitig Chinas Währung aufwertete, ist China als Fertigungsstandort für industrielle Exporte deutlich teurer geworden. Im chinesischen Binnenmarkt aber bieten sich deutschen Unternehmen viele neue Chancen. Deutsche Technologien und Expertise werden beim Ausbau einer umweltverträglicheren Wasser- und Energiewirtschaft sowie einer resssourceneffizienteren Industrieproduktion sehr stark nachgefragt. Hier wird sich ein großes neues Wachstumspotenzial für Maschinenbau und Chemie bieten. Deutschlands Automobilbauer werden sich nach Jahren stürmischen Wachstums allerdings auf eine deutlich langsamer wachsende Nachfrage in China einstellen müssen.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Firma Coface